Grundsätze ordnungsgemäßer ESUG-Beratung

Präambel

Das Netz­werk geprüf­ter und vom DIAI e.V. zer­ti­fi­zier­ter ESUG-Bera­ter hat sich im Bun­des­ver­band ESUG e.V. Restruk­tu­rie­rung, Sanie­rung und Eigen­ver­wal­tung (BV-ESUG) zusam­men­ge­schlos­sen. Ziel ist das Ange­bot von spe­zi­el­len Bera­tungs­leis­tun­gen zum The­ma Sanie­rung unter Insol­venz­schutz. Ins­be­son­de­re sol­len klei­nen und mitt­le­ren Betrie­ben Infor­ma­tio­nen und Bera­tungs­leis­tun­gen zum The­ma Schutz­schirm­ver­fah­ren, Eigen­ver­wal­tung und ESUG im All­ge­mei­nen ange­bo­ten wer­den kön­nen. Zur Wah­rung und För­de­rung eines hohen Qua­li­täts­stan­dards im Rah­men einer sinn­vol­len und prak­ti­ka­blen Bera­tungs­leis­tung ver­pflich­ten sich die Mit­glie­der des Bun­des­ver­ban­des ESUNG und Sanie­rung ihre Tätig­keit gemäß den nach­fol­gen­den Grund­sät­zen durchzuführen:

1. Allgemeine Bestimmungen

§ 1 Zielsetzung des ESUG-Berater Netzwerkes

Zweck des Netz­wer­kes der geprüf­ten ESUG-Bera­ter ist die Wei­ter­ent­wick­lung des Insol­venz­rechts, För­de­rung und Schaf­fung einer Sanie­rungs­kul­tur der “zwei­ten Chan­ce” in der deut­schen Wirt­schaft, sowie die Ver­tre­tung der Inter­es­sen der Mit­glie­der in allen das Gesetz zur wei­te­ren Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men (ESUG) betref­fen­den Belan­gen, die För­de­rung und Wei­ter­ent­wick­lung des bei der Sanie­rung von Unter­neh­men anzu­wen­den­den Rechts, sowie die beruf­li­che Aus- und Fort­bil­dung der in die­sem Rechts­ge­biet täti­gen Per­so­nen. Das Netz­werk ver­folgt einen ganz­heit­li­chen Bera­tungs­an­satz, der die nach­hal­ti­ge Sanie­rung ein­schließ­lich einer Sanie­rung unter Insol­venz­schutz umfasst. Neben dem Know-how des ein­zel­nen Bera­ters soll das bera­te­ne Unter­neh­men unmit­tel­bar von der  Nut­zung aus dem Netz­werk erge­ben­der Syn­er­gie­ef­fek­ten pro­fi­tie­ren können.

§ 2 Geltungsbereich

Die Bera­tungs­grund­sät­ze rich­ten sich an alle geprüf­ten ESUG-Bera­ter, die die Vor­aus­set­zung der Mit­glied­schaft nach der Sat­zung des Bun­des­ver­ban­des ESUG und Sanie­rung e. V. erfül­len und ihre Bera­tungs­leis­tun­gen in die­sem Kon­text erbringen.

§ 3 Aufgaben des ESUG-Beraters

Der geprüf­te ESUG-Bera­ter hat das Ziel der Sanie­rungs­be­ra­tung best­mög­lich zu ver­wirk­li­chen und dabei sei­ne per­sön­li­che Exper­ti­se und die Kom­pe­ten­zen des Netz­wer­kes opti­mal umzu­set­zen. An die­sen Zie­len hat der geprüf­te ESUG-Bera­ter sein gesam­tes Ver­hal­ten im Rah­men der Bera­tungs­leis­tung aus­zu­rich­ten. Neben der nach­hal­ti­gen Sanie­rung von Unter­neh­men ist dabei ins­be­son­de­re der Erhalt von Arbeits­plät­zen anzustreben.

2. Allgemeine Pflichten

(Per­sön­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­aus­set­zun­gen der Beratungsleistung)

§ 4 Eignung

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Tätig­keit als geprüf­ter ESUG-Bera­ter sind neben dem erfolg­rei­chen Abschluss des Fach­lehr­gangs „Geprüf­ter ESUG-Bera­ter” des DIAI e.V. regelmäßig:

  • Abschluss eines recht­wis­sen­schaft­li­chen, wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen oder ande­ren Stu­di­ums mit wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher Aus­rich­tung oder eine ver­gleich­ba­re ande­re Qualifikation,
  • Nach­weis umfas­sen­der, min­des­tens 5‑jähriger Pra­xis­er­fah­rung im Umfeld von Kri­se, Sanie­rung und/oder Insolvenz,
  • Zuver­läs­sig­keit und geord­ne­te wirt­schaft­li­che Verhältnisse,
  • Per­sön­li­che Erreich­bar­keit und
  • Eine dem Stand der Tech­nik ent­spre­chen­de und zur Durch­füh­rung von Sanie­rungs­be­ra­tun­gen geeig­ne­te Infrastruktur.

§ 5 Unabhängigkeit

Der geprüf­te ESUG- Bera­ter erbringt sei­ne Bera­tungs­leis­tung als, gegen­über dem bera­ten­den Unter­neh­men, unab­hän­gi­ge Per­son. Er hat daher alles zu ver­mei­den, was berech­tig­te Zwei­fel an sei­ner Unab­hän­gig­keit her­vor­ru­fen könn­te. Daher ver­pflich­tet er sich, sei­ne Orga­ni­sa­ti­on so ein­zu­rich­ten, dass Kol­li­si­ons­fäl­le umge­hend erkannt werden.

§ 6 Leistungsfähigkeit und –bereitschaft

Alle maß­geb­li­chen Bera­tungs­ent­schei­dun­gen trifft der geprüf­te ESUG-Bera­ter grund­sätz­lich per­sön­lich. Über ande­re mög­li­che Maß­nah­men hat er sich lau­fend zu unter­rich­ten. Er über­wacht und koor­di­niert die von ihm gege­be­nen­falls ein­ge­setz­ten Mit­ar­bei­ter. Er gewähr­leis­tet ins­be­son­de­re, dass er in allen wich­ti­gen Ange­le­gen­hei­ten dem zu Bera­ten­den per­sön­lich für Aus­künf­te und Bespre­chun­gen zur Ver­fü­gung steht. Er stellt sicher, dass im Fall sei­ner Ver­hin­de­rung ein geeig­ne­ter Netz­werk­part­ner die Ver­tre­tung übernimmt.

Die effi­zi­en­te Bera­tung erfor­dert eine leis­tungs­fä­hi­ge Orga­ni­sa­ti­on. Der ESUG-Bera­ter wird daher eine an den Erfor­der­nis­sen eines moder­nen Qua­li­täts­ma­nage­ment aus­ge­rich­te­te Büro­or­ga­ni­sa­ti­on gewährleisten.

Die Durch­füh­rung von Sanie­rungs­be­ra­tung erfor­dert – ins­be­son­de­re in der Anlauf­pha­se – einen hohen per­sön­li­chen Zeit­ein­satz. Geprüf­te ESUG-Bera­ter ver­pflich­ten sich des­halb die Über­nah­me neu­er Sanie­rungs­be­ra­tung abzu­leh­nen, wenn sie selbst oder ihre Orga­ni­sa­ti­on durch lau­fen­de Bera­tungs­dienst­leis­tun­gen oder in ande­rer Wei­se so stark belas­tet sind, dass die ord­nungs­ge­mä­ße Abwick­lung neu­er Ver­fah­ren nicht mehr in dem erfor­der­li­chen Umfang gesi­chert ist. In Fäl­len aus­ge­schöpf­ter Kapa­zi­tä­ten ver­pflich­ten sich die geprüf­ten ESUG-Bera­ter Bera­tungs­man­da­te vor­ran­gig in den Pool der Netz­werk­part­ner einzustellen.

§ 7 Geschäftskunde, Verpflichtung zur Fortbildung

Die Über­nah­me von Sanie­rungs­be­ra­tun­gen setzt fun­dier­te juris­ti­sche und wirt­schaft­li­che Kennt­nis­se vor­aus, die dem neu­es­ten Stand auf die­sem Gebiet ent­spre­chen. Geprüf­te ESUG-Bera­ter sind daher ver­pflich­tet aktu­el­le Ent­wick­lun­gen zu ver­fol­gen und sich regel­mä­ßig fort­zu­bil­den. Sie unter­wer­fen sich einer lau­fen­den, gegen­sei­ti­gen Qua­li­täts­kon­trol­le und haben eine fort­lau­fen­de Wei­ter­bil­dungs­ver­pflich­tung von jähr­lich min­des­tens 15 Stunden.

3. Besondere Beratungsverpflichtungen

§ 8 Beratungsablauf

Bei der ESUG-Bera­tung wird zwi­schen Erst­ge­spräch und Sanie­rungs­be­ra­tung unterschieden.

Erst­ge­spräch und Sanie­rungs­be­ra­tung erfol­gen auf Grund­la­ge von durch das Netz­werk erstell­ten Checklisten/ Punkteplänen.

Das Erst­ge­spräch dient dabei der Klä­rung der Fra­ge, ob der zu Bera­ten­de für eine Sanie­rung unter Insol­venz­schutz über­haupt geeig­net und für eine Sanie­rung unter Insol­venz­schutz offen ist. Geprüf­te ESUG-Bera­ter bie­ten Unter­neh­men in der Kri­se, unter Abga­be einer Ver­trau­lich­keits­er­klä­rung, eine fun­dier­te Erst­in­for­ma­ti­on über die Mög­lich­kei­ten einer Über­win­dung der Kri­se durch eine Sanie­rung unter Insol­venz­schutz an. In die­sem unver­bind­li­chen Erst­ge­spräch erklä­ren sie den Ablauf eines sol­chen Pro­zes­ses und stel­len die Sanie­rungs­hil­fen zur Stär­kung des Liqui­di­tät, zur Ver­bes­se­rung der Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung  und zum nach­hal­ti­gen Erhalt des Unter­neh­mens für die Eig­ner und/oder Orga­ne vor. Die­se Leis­tung erfolgt in all­ge­mei­ner Form und unter Wah­rung des jewei­li­gen Stan­des­rechts, ins­be­son­de­re des Rechtsberatungsgesetzes.

Zeigt sich das Unter­neh­men nach einem Erst­ge­spräch für eine Sanie­rung unter Insol­venz­schutz auf­ge­schlos­sen, kann mit der Sanie­rungs­be­ra­tung im Rah­men eines ent­spre­chen­den ver­trag­lich gestal­te­ten Bera­tungs­ver­hält­nis­ses begon­nen wer­den. Unter Aus­wer­tung der Unter­neh­mens­un­ter­la­gen (Bilan­zen, Gewinn- und Ver­lust­rech­nung, Sum­men- und Sal­den­lis­ten, etc.) ist dabei einer­seits zu prü­fen, ob sich das Unter­neh­men kon­kret für eine Sanie­rung unter Insol­venz­schutz eig­net und ande­rer­seits in einer gro­ben Pla­nung dar­zu­le­gen wie die­se im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall durch­ge­führt wer­den könn­te. Für die Durch­füh­rung der zu ergrei­fen­den ope­ra­ti­ven Sanie­rungs­maß­nah­men und zur Vor­struk­tu­rie­rung eines gericht­li­chen Ver­fah­rens greift der geprüf­te ESUG-Bera­ter auf die Kom­pe­ten­zen und Part­ner aus dem Netz­werk zurück. Sein Aus­wahler­mes­sen ist dabei nicht begrenzt, soll­te aber die für das kon­kre­te Unter­neh­men not­wen­di­ge spe­zi­el­le Exper­ti­se ein­be­zie­hen, soweit die­se im Netz­werk vor­han­den ist. Die Sanie­rungs­be­ra­tung erfolgt unter der Selbst­ver­pflich­tung zur sorg­fäl­ti­gen und zeit­na­hen Beratung.

4. Ahndung von Pflichtverletzungen

§ 9 Verweis und Ausschluss

Ein Ver­stoß gegen die vor­ge­nann­ten Grund­sät­ze ord­nungs­ge­mä­ßer ESUG-Bera­tung kann gemäß § 8 der Sat­zung des Bun­des­ver­ban­des ESUG und Sanie­rung e.V. durch

  1. Ver­weis
  2. Aus­schluss aus dem Bun­des­ver­band ESUG und Sanie­rung e.V. “BV-ESUG”

geahn­det werden.

[Beschlos­sen in der Mit­glie­der­ver­samm­lung des Bun­des­ver­ban­des ESUG und Sanie­rung e.V. am 07. März 2014]

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